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Superschool Tv

Kritik & Presse

1999

 

mehr über die neue SUPERSCHOOL:

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televisor Kritik

Wenn sich der Televisor mal so richtig das Hirn weich kochen will, dann gibt er sich entweder die Kante oder er gibt sich den Kant oder er hackt sich mit der Fernbedienung in den Offenen Kanal ein. Letzteres verspricht die schnelle Dröhnung. Fünf Minuten OK reichen in der Regel schon für den technischen K.O. Ob wütende Muselmanen in vermutlich akzentfreien Arabisch ihre bannblitze in die Wohnzimmer schleudern, ob bärbeißige Taxifahrer sich tanzend vor himmelblauen Tapeten entkleiden, wenn nicht gar entleiben, oder ob gut abgehangene Studenten demonstrieren, auf welch vielfältige Weise man einen Witz zu Tode erzählen kann - beim Offenen Kanal kommt jeder auf seine Kosten, der immer schon gewußt hat, dass wir in der schrottigsten aller möglichen Welten leben.

Und während sich der Televisor nichts Gutes wollend durch diese flimmernde Wüste basisdemokratischen Unfugs schleppt und sich dabei also ordentlich das Hirn weich kocht, begegnet ihm plötzlich eine Fata Morgana. Ein Fenster in der Wüste! Ein Fenster, durch das hindurch man in eine noch schrottigere Welt schaut: in die Welt des "echten" Fernsehens! Das Trugbild heißt "superschool tv", kommt als etwa halbstündige Sendung daher und würde sich eigentlich nahtlos in das restliche Programm des Offenen Kanals einreihen, wenn da nicht dieser Dopplereffekt wäre, der den Telebvisor aus seinem OK-Dämmer schreckt.

Der "superschool"-Dopplereffekt erschließt sich nicht gleich beim ersten Sehen. Wenn man beispielsweise die beiden bestimmt bestbefreundeten und schwerstalbernen Moderatorenküken beim Austausch von Geistesflüssigkeiten beobachtet, scheint das nicht weiter aus dem Rahmen des Offenen Kanals zu fallen. Halt irgendwelche Hirnis, die sich selber im Fernsehen produzieren, weil da ja jeder mal darf. Erst wenn der erste "Beitrag" anhebt, etwa ein Filmchen über den richtigen Flirt oder die Bedeutung der Körpersprache, und die ganze Zeit wie bei einer Doppelbelichtung die Moderatorenküken schemenhaft weiter zu sehen sind, wird dem Televisor klar, was er unerwarteterweise an dieser Sendung hat: ein ebenso intelligentes wie zerschrammtes Spiegelbild des Fernsehens.

Nun gehört die Formulierung "dem Fernsehen-oder-wem-auch-immer einen Spiegel vorhalten" mit Recht auf den Index. Gibt es da nicht schon genug Raabs und Lücks und Raab-Lücks, die als Rechtfertigung für ihre telegenen Dümmlichkeiten diesen mittlerweile völlig blinden Spiegel hervorkramen? Anders aber als jene Profikasperles sind die Amateure von "superschool-tv" zwar nicht immer lustig, aber dafür wirklich subversiv. Sie versuchen gar nicht erst, Pointen zu setzen, sondern drehen den täglichen Schrott nur einen Grad weiter, etwa wenn sie einen Zwei-Meter-Köter die Berliner Sehenswürdigkeiten nach "Tops" oder "Flops" bewerten lassen, wenn sie ein Interview mit einem Underground-Promiführen und dabei minutenlang nichts anderes zeigen als einen kläglich animierten Plattenteller oder wenn sie die Wettervorhersage für Japan (auf japanisch) präsentieren. Zum Schluss war der Televisor so irritiert, dass er sogar hinter dem Gestammel der beiden Moderatorenküken tiefen Sinn vermutete. Schade nur, dass der Televisor nun nie wieder arglos durch den Offenen Kanal schippern kann ohne Gefahr, vielleicht doch etwas Gutem zu begegnen. Muss er sich also doch fürderhin die Kante geben.

 

TV Tip, Nr.22 / 1999